Samstag | 24.09.2011 | 15:00 Uhr

FSV 1926 - SC Waldgirmes 2:1

25.09.2011 | oh

FSV Fernwald - SC Waldgirmes 2:1

Der FSV Fernwald schlägt den SC Waldgirmes vor den Augen von ca. 550 Zuschauern mit 2:1 und hatte damit allen Grund, sein Oktoberfest mit Livemusik ausgiebig zu feiern. Die Tore: 1:0 Solak 19., 1:1 Kusebacu 20., 2:1 Marankoz 28. HE.

25.09.2011 | oh

Bilder vom Spieltag

26.09.2011 | Gießener Anzeiger | jg

Krick braucht einen kleinen Trost

Waldgirmes enttäuscht vor 550 Zuschauern im Mittelhessenderby - Fernwald verpasst in zweiter Halbzeit höheren Sieg

 

 FERNWALD. Alkohol gilt als Tröster. Und so lehnt Thorsten Krick das angebotene Radler ab und sagt: „Ich brauche das Bier heute pur.“ Mehr Promille, mehr Trost eben. Während der Trainer des SC Waldgirmes auf sein seelisches Beistandsgetränk wartet, lässt er im Vereinsheim des FSV Fernwald das Mittelhessenderby der Hessenliga Revue passieren. Eine Revue, die aus Sicht des Lahnauer Fußball-Coachs nach der schon eher schmeichelhaften 1:2-Niederlage einem sportlichen Spielfiilmflopp gleichkommt.

 

 „Der Sieg des FSV“, bilanziert Krick, „war hochverdient“. Hochverdient deshalb, weil die Gastgeber zuvor in dem mit 550 Zuschauern bei schönstem Spätsommerwetter eher mäßig besuchten Duell zumindest 30 Minuten lang stark aufspielten, sich auch einige glänzende Chancen erarbeiteten und so gut wie keine Torgelegenheit der Gäste zuließen. Bei seiner anschließenden Revue stößt Krick vor allem die erste Halbzeit übel auf: „Das war eine völlige Enttäuschung.“

Fernwalds diesmal nicht so effektive Sturmspitze Ahmet Marankoz (rechts) verhakt sich beim Dribbling mit Peter Bätzel vom SC Waldgirmes. Foto: Ben Fernwalds diesmal nicht so effektive Sturmspitze Ahmet Marankoz (rechts) verhakt sich beim Dribbling mit Peter Bätzel vom SC Waldgirmes. Foto: Ben

Während sich die Fernwälder dank des ideenreichen Sven Ehser und des pfeilschnellen Julian Simon ein deutliches spielerisches Plus erarbeiteten, hingen in diesem ersten Abschnitt die Waldgirmeser Stürmer um Leif Langholz völlig in der Luft. Da der Elan des FSV allerdings am Strafraum endete, schien zunächst der Wunsch von Fernwalds Trainer Daniel Bulut nach einem Fußball-Spektakel („Gerne auch ein 6:6“) so weit entfernt wie Lothar Matthäus vom Klosterleben.

 

6:6 stand es nach 20 Spielminuten weder nach Ecken noch nach Chancen - höchstens nach Einwürfen. Und so benötigte es eines gravierenden Patzers von SC-Ersatzkeeper Fabian Grutza, der einen eigentlich völlig harmlosen Schuss von Erdinc Solak durch die Hände rutschen ließ, um das 1:0 einzuleiten.

 

Der Führungstreffer war der Startschuss für die turbulenteste und beste Phase des Derbys. Denn direkt nach dem Anstoß der Gäste landete der Ball bei Sven Kusebauch, der aus gut 20 Metern mit einem wunderschönen Drehschuss zum 1:1 traf. Das war ebenso überraschend wie glücklich, befand dann auch Thorsten Krick in seiner Revue während der Pressekonferenz: „Bei den Chancen, die wir uns erspielt haben, habe ich eine halbe gezählt und die haben wir auch noch genutzt.“ Die dank ihres starken Saisonstart selbstbewusst auftretenden Gastgeber ließen sich durch den Ausgleich nicht beeindrucken, suchten weiter ihr spielerisches Heil im Angriff und belohnten sich prompt für dieses Engagement.

Ein Deby-Bild mit Symbolcharakter: Vorne jubelnde Fernwälder (links Torschütze Erdinc Solak, rechts Julian Buß), hinten ein enttäuscht abdrehender Waldgirmeser Fabian Pötzl. Foto: Ben Ein Deby-Bild mit Symbolcharakter: Vorne jubelnde Fernwälder (links Torschütze Erdinc Solak, rechts Julian Buß), hinten ein enttäuscht abdrehender Waldgirmeser Fabian Pötzl. Foto: Ben

Nur sieben Minuten nach dem 1:1 passte Ahmet Marankoz wunderbar auf Ehser, der im Strafraum wiederum nur unfair von SC-Abwehrmann Fabian Pötzl gestoppt werden konnte. Marankoz schoss den folgerichtigen Strafstoß locker zum 2:1 für den FSV Fernwald ein. Die Reaktion der Waldgirmeser? Keine, aber auch gar keine. Oder um es genauer zu sagen: Die Weinecker, Langholz und Co. spulten bis zur Pause ihr Pensum herunter, als wollten sie das 1:2 in die Kabine retten.

 Ein Pensum mit Folgen. Krick wechselte gleich drei Spieler aus und erklärt in seiner Derbyrevue später: „Ich wollte ein Zeichen setzen.“ Ein Zeichen, das gerademal zehn Minuten lang von seiner Mannschaft verstanden wurde. Zehn Minuten lang zeigten sich die Gäste nach dem Wiederanpfiff engagierter, störten den FSV-Aufbau nun früher und entdeckten, dass Zweikämpfe durchaus kein Tabu im Fußball sind. Tabus jedoch blieben Spielfreude, Kombinationen und Ideen. „Das“, so Krick, „war nur Brachialgewalt.“ Gewalt aber ist keine Lösung. Denn: „Chancen habe ich dabei gar keine mehr gesehen“, befand der SC-Trainer. Chancen hingegen ergaben sich für die Gastgeber gleich mehrere.

Da mit dem verletzt ausgeschiedenen Ehser dem FSV in der Folge der Regisseur fehlte, vergaben, nein verschenkten, Julian Simon, Ahmet Marankoz nach wunderschöner Vorarbeit von Hüseyin Durur oder auch Erdinc Solak gleich drei fast schon 100-prozentige Möglichkeiten. Eine Fahrlässigkeit, die oftmals bestraft wird. Aber an diesem Tag nicht. Nicht von Waldgirmes. Nicht von einer in der letzten halben Stunde seltsam lethargischen Mannschaft. „So“, beendete Krick seine Revue, während er sein Trostpils trinkt, „tritt man einem Derby nicht auf.“ Und was meinte der neben Krick sitzende FSV-Trainer Daniyel Bulut dazu? „Der Thorsten hat ja eigentlich schon alles gesagt.“ Was stimmte und Bulut einiges an Verbalarbeit ersparte. Und neben der Erfolgsserie seiner Elf dazu führt, dass Bulut sein Radler gewiss nicht zum Trost benötigt.

FSV Fernwald: Schmitt; Erben, Bodnar, Schadeberg, Gouri, Golafra, Buß, J. Simon, Ehser (51. Durur), Marankoz (90. Sofinski), Solak (90. Brückmann)

SC Waldgirmes: Grutza; Pötzl, Hocker, Bätzel, Siegel, Kaguah (46. Neubert), Gries, Kusebauch (46. Kuche), Künkler (46. Michel), Weinecker, Langholz.

Tore: 1:0 Solak (18.), 1:1 Kusebauch (21.), 2:0 Marankoz (28./FE) - Schiedsrichter: Weickenmeier (Mühlheim) - Gelbe Karte: -/Pötzl - Zuschauer: 550

10.10.2011 | Gießener Anzeiger | jg

Böse Mächte in Waldgirmes
GIESSEN (rd). Wenn eine Mannschaft mit hoher Qualität 70 Minuten gegen zehn Mann spielt, die Führung sogar aus diesem Platzverweis - per Handelfmeter - entspringt, es zur Pause zudem 3:0 heißt, dann darf so eine Begegnung nicht mehr verloren gehen. Könnte man meinen. Der SC Waldgirmes aber beweist in diesem Jahr, dass im Fußball alles möglich ist. Und zwar in negativem Sinne. Denn schien für Thorsten Krick und seine Elf über Jahre die Sonne, so scheinen jetzt alle bösen Mächte im Spiel zu sein - wenn der SCW am Ball ist. Und es wird immer enger. Die ehedem ambitionierte Elf verharrt nach dem eigentlich als Befreiungsschlag gedachten 3:0-Erfolg gegen Wetzlar auf dem vorletzten Rang, derweil mit den Leitzstädtern und Rot Weiß Frankfurt, das sich langsam (2:2 in Jügesheim) findet, punktgleich bei mauen acht Zählern. Diesmal kam das mittelhessische Unglück aber nicht allein. Wobei es der Relativierung bedarf: Der FSV Fernwald bewies gegen Baunatal, dass die junge Elf zurecht ganz oben mit dabei ist. Das 0:1 ist zu verschmerzen, zumal auch gegen den Aufstiegsanwärter Nummer eins mehr drin war. Die erst zweite Niederlage wirft Fernwald nicht großartig zurück. Dagegen musste Herbert Schäty erkennen, dass eine Wunderheilung bei Eintracht Wetzlar ausgeschlossen scheint. 0:3 gegen Stadtallendorf, vor allem die mangelnde Gegenwehr nach der Gäste-Führung dürfte den Trainer-Haudegen geärgert haben. Und so gab es nur einen glücklichen Mittelhessen an diesem 12. Spieltag. Der heißt Stefan Hassler und sitzt bei Stadtallendorf auf der Bank. Der klare Auswärtssieg hat seiner Truppe erst einmal ein wenig Luft nach unten verschafft.